ein druck

Updated: Oct 12

Eindruck oder ein Druck
Von der Kunst, Spuren zu hinterlassen, ohne anderen auf die Füße zu treten.
Es ist schon eine bemerkenswerte Eigenart unserer Sprache, dass manchmal ein winziges Leerzeichen darüber entscheidet, ob wir uns in einer Welt der Unterdrückung oder der Bewunderung befinden, ob wir also einen Druck verspüren, der uns die Luft zum Atmen nimmt, oder einen Eindruck gewinnen, der uns für einen kurzen, kostbaren Moment den Atem raubt, und während Ersteres heutzutage beinahe zum gesellschaftlichen Grundrauschen gehört, irgendwo zwischen der nächsten alternativlosen Entscheidung, einer moralisch einwandfrei verpackten Zumutung und der täglichen Aufforderung, gefälligst das Richtige zu denken, ist Letzteres offenbar zu einer seltenen Kunst geworden, die man am besten dort wiederentdeckt, wo die Natur noch keine Pressekonferenzen abhält.
Zum Beispiel in Albanien.
Dort, wo die Berge noch Berge sind, das Meer oft noch Meer, die Straßen manchmal eher philosophische Fragen als verlässliche Verkehrsverbindungen darstellen und die Menschen, zumindest solange sie nicht gerade Uniformen tragen oder politische Ämter bekleiden, gelegentlich noch etwas von jener Unberechenbarkeit besitzen, die das Leben zwar komplizierter, aber immerhin auch lebendiger macht.
Denn während die moderne Gesellschaft mit erstaunlicher Begeisterung daran arbeitet, jeden noch so kleinen Unterschied zwischen den Menschen aber auch zwischen Wirklichkeit und ihrer offiziell genehmigten Interpretation einzuebnen, hat die Natur offenbar sämtliche Rundschreiben ignoriert und beschlossen, weiterhin einfach das zu sein, was sie ist.
Beeindruckend.
Und zwar ganz ohne Druck.
Von Orwell und anderen Optimisten
George Orwell hatte bekanntlich bereits vor einigen Jahrzehnten eine gewisse Vorahnung davon, wohin die Reise gehen könnte, wenn Menschen anfangen, ihre Sprache nicht mehr zur Beschreibung der Wirklichkeit, sondern zu deren Umgestaltung zu benutzen, und obwohl sein berühmtes „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“ ursprünglich als düstere Warnung gedacht war, scheint man es inzwischen vielerorts eher als praktisches Handbuch für zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit zu betrachten.
Da werden Kriege zur Friedenssicherung geführt, Einschränkungen der Freiheit zu deren Schutz beschlossen und unbequeme Fragen gelegentlich als Gefahr für jene Demokratie betrachtet, deren eigentlicher Sinn doch einmal darin bestand, genau solche Fragen stellen zu dürfen.
Man könnte darüber verzweifeln.
Man könnte allerdings auch darüber lachen, was angesichts der zunehmenden Absurdität mancher politischer Verrenkungen ohnehin die gesündere Alternative sein dürfte, solange das Lachen nicht irgendwann ebenfalls einer behördlichen Genehmigung bedarf.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem nämlich gar nicht darin, dass uns permanent irgendein Druck gemacht wird, sondern darin, dass wir uns so bereitwillig beeindrucken lassen von Menschen, deren größte Leistung häufig darin besteht, mit bemerkenswerter Überzeugung Dinge zu behaupten, die spätestens beim zweiten Nachdenken in sich zusammenfallen wie ein schlecht aufgestelltes Campingzelt bei albanischem Bergwind.
Und während sich die einen gegenseitig versichern, dass alles alternativlos sei, laufen die anderen hinterher, als hätte die Evolution den aufrechten Gang zwar erfolgreich entwickelt, das eigenständige Denken jedoch aus Kostengründen eingespart.
Lemminge haben übrigens einen ausgesprochen schlechten Ruf, obwohl sie vermutlich erheblich weniger Unsinn anstellen als jene Menschen, die sie ständig als abschreckendes Beispiel bemühen.
Vor allem stürzen sich Lemminge nicht freiwillig in den Abgrund, wie der populäre Mythos behauptet.
Menschen hingegen schaffen es gelegentlich sogar, den Abgrund demokratisch zu beschließen, ihn anschließend als Fortschritt zu feiern und sich schließlich darüber zu wundern, dass es abwärtsgeht.
Ein Fußabdruck ist auch ein Eindruck
Dabei kann alles so einfach sein.
Man muss nur die Schuhe ausziehen.
Irgendwo an der albanischen Küste, wo das Meer in unzähligen Schattierungen zwischen Türkis, Tiefblau und jenem beinahe unwirklichen Grün schimmert, für das vermutlich längst irgendein Marketingexperte einen geschützten Farbnamen erfunden hätte, wenn es sich nur patentieren ließe, genügt ein einziger Schritt in den feuchten Sand, um einen Eindruck zu hinterlassen, der zwar nicht besonders lange Bestand hat, dafür aber vollkommen ehrlich ist.
Ein Fuß.
Ein Abdruck.
Ein Eindruck.
Keine Strategie, keine versteckte Agenda, kein Versuch, irgendjemanden von irgendetwas zu überzeugen.
Und wenn die nächste Welle kommt, nimmt sie ihn wieder mit, ohne vorher eine Expertenkommission einzuberufen, die darüber berät, ob diese Form der Vergänglichkeit gesellschaftlich noch vertretbar ist.
Vielleicht ist es genau das, was uns die Natur voraus hat.
Sie muss nichts beweisen.
Sie muss niemanden beeindrucken.
Und tut es gerade deshalb.

Das Meer fragt nicht nach unserer Meinung, bevor es seine Wellen an den Strand schickt, die Sonne benötigt keine demokratische Legitimation, um hinter dem Horizont zu verschwinden, und ein Berggipfel wird auch dann nicht niedriger, wenn sich eine ausreichend große Mehrheit darauf einigt, dass seine Höhe aus Gründen der Gleichberechtigung problematisch sei.
Die Natur ist, was sie ist.
Und genau darin liegt ihre Freiheit.
Die albanischen Alpen – wo der Druck endlich nachlässt
Wer einmal in den albanischen Alpen unterwegs war, weiß, dass sich die Bedeutung des Wortes „beeindruckend“ dort noch einmal vollständig verändert, denn während man unten im Tal vielleicht noch über die Schlaglöcher, den Zustand der Straßen oder die erstaunlich kreative Interpretation europäischer Verkehrsvorschriften nachdenkt, wird es mit jedem Höhenmeter schwieriger, sich für die kleinen und großen Verrücktheiten der menschlichen Zivilisation zu interessieren.
Die Gipfel stehen dort herum, als hätten sie seit Jahrmillionen nichts Besseres zu tun, als den Himmel zu stützen, die Täler schneiden sich tief in die Landschaft, und irgendwo zwischen Felsen, Wäldern und Bergwiesen verliert sich jener selbstgefällige Gedanke, der Mensch sei der Mittelpunkt der Welt, auf eine Weise, die ausgesprochen heilsam sein kann.

Denn vor diesen Bergen wird selbst der bedeutendste Politiker plötzlich wieder das, was er eigentlich immer war.
Ein ziemlich kleines Lebewesen mit einer begrenzten Lebensdauer.
Nur dass die Berge im Gegensatz zu ihm nicht ständig darüber reden müssen, wie wichtig sie sind.
Vielleicht ist das überhaupt eine der schönsten Erkenntnisse des Reisens: dass Größe nichts mit Lautstärke zu tun hat und Bedeutung nicht dadurch entsteht, dass man sie sich selbst möglichst häufig bescheinigt.
Ein gewaltiges Bergmassiv kann vollkommen schweigen und dennoch mehr Eindruck hinterlassen als tausend Reden.
Ein schmaler Pfad durch die Berge kann einem mehr über Freiheit erzählen als sämtliche politischen Sonntagsreden zusammen.

Und ein Blick in ein Tal, das sich unter einem öffnet wie eine Einladung, die eigene Bedeutungslosigkeit endlich einmal nicht als Kränkung, sondern als Befreiung zu begreifen, kann mehr bewirken als jede noch so gut gemeinte Aufforderung zur Selbstoptimierung.
Natürlich gibt es auch hier Druck.
Luftdruck beispielsweise.
Oder den Druck in den Waden, wenn der Weg wieder einmal deutlich steiler ist, als er auf der Karte aussah.
Aber das ist wenigstens ein ehrlicher Druck.
Einer, der nicht behauptet, zu unserem Besten zu sein, während er uns heimlich in eine ganz andere Richtung schiebt.
Und wenn man schließlich oben steht, mit brennenden Beinen, klopfendem Herzen und einem Blick, der sich an der Weite kaum sattsehen kann, dann ist aus der Anstrengung etwas geworden, das man nicht kaufen, nicht verordnen und schon gar nicht politisch beschließen kann.
Ein Eindruck.
Von Menschen, Lemmingen und anderen Naturerscheinungen
Nun wäre es allerdings ungerecht, die Menschheit vollständig aus der Natur auszuschließen, schließlich sind auch wir nur eine ihrer zahlreichen, wenn auch gelegentlich etwas missglückten Erscheinungsformen, und vielleicht ist gerade diese Erkenntnis besonders schwer zu ertragen für eine Spezies, die sich selbst gern als Krone der Schöpfung bezeichnet, obwohl sie es geschafft hat, ausgerechnet jene Welt, von der sie vollständig abhängig ist, mit einer Mischung aus Größenwahn, Bequemlichkeit und organisierter Verantwortungslosigkeit zu behandeln wie ein Hotelzimmer, das man nach der Abreise ohnehin nicht mehr aufräumen muss.
Dabei können Menschen durchaus sehr beeindruckend sein.
Ein alter Mann, der irgendwo in einem albanischen Dorf auf einer Bank sitzt und mit einer Gelassenheit in die Welt blickt, für die andere erst jahrelang Achtsamkeitsseminare besuchen müssen.
Apropos alter Mann: :-)


Eine Frau, die mit wenigen Handgriffen ein Essen zubereitet (Marsi RIsotto), das mehr Lebensfreude enthält als die gesamte Speisekarte eines durchgestylten Großstadtrestaurants.

Ein Fremder, mit anderer Sprache, der hilft, ohne nach einer Gegenleistung zu fragen.
Oder jemand, der einfach zuhört, ohne währenddessen schon die passende Antwort für seine sozialen Netzwerke zu formulieren.
Das alles hinterlässt Eindrücke.
Vielleicht sogar die wichtigsten.
Denn es sind nicht die Menschen an sich, die so wenig beeindruckend sind, sondern jene seltsame Neigung, das eigene Denken möglichst früh an andere abzugeben und sich anschließend voller Stolz darüber zu freuen, endlich auf der richtigen Seite zu stehen.
Auf welcher auch immer.
Hauptsache, man muss nicht selbst entscheiden.
Und so marschiert man gemeinsam in eine Richtung, die irgendeiner zuvor als alternativlos bezeichnet hat, und verwechselt die beruhigende Wärme der Herde mit der Sicherheit, tatsächlich auf dem richtigen Weg zu sein.
Dabei ist die Natur voll von Beispielen dafür, dass es sich lohnen kann, eigene Wege zu gehen.
Flüsse etwa.
Die halten sich selten an gerade Linien.
Und kommen trotzdem meistens ans Meer.
Das Meer hört zu
Ob an einem belebten Strand, in einer kleinen Bucht, an einer felsigen Küste oder irgendwo dort, wo sich die albanische Landschaft langsam dem Horizont hingibt, bleibt es stets dasselbe und ist doch niemals gleich.
Mal liegt es da wie eine riesige, glatt polierte Fläche, in der sich der Himmel selbst betrachtet, mal wirft es sich mit einer Leidenschaft gegen die Felsen, die mancher menschlichen Beziehung guttäte, und manchmal rauscht es einfach nur vor sich hin, als wolle es daran erinnern, dass die Welt auch ohne unsere ständige Kommentierung ganz hervorragend funktioniert.
Wer lange genug hinsieht, bemerkt irgendwann, dass die eigenen Gedanken langsamer werden.
Nicht, weil man aufhört zu denken.
Sondern weil man endlich wieder Zeit dafür hat.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Freiheit, die uns in einer Gesellschaft zunehmend verloren geht, in der jeder Augenblick bewertet, jede Meinung eingeordnet und jede Abweichung möglichst umgehend korrigiert werden soll.
Die Freiheit, einen Eindruck einfach nur wirken zu lassen.
Ohne ihn sofort zu fotografieren, zu kategorisieren, zu veröffentlichen oder mit einer moralischen Gebrauchsanweisung zu versehen.
Wobei ich zugeben muss, dass ausgerechnet ein Reiseblog ein denkbar ungeeigneter Ort ist, um gegen das Veröffentlichen von Eindrücken zu wettern.
Aber Widersprüche gehören schließlich zum Leben.
Und solange sie nicht per Gesetz verboten werden, sollten wir sie genießen.



Die letzten Revolverhelden Europas
Nicht unbedingt die Eindrücke, die bleiben, sondern die Bewegung, die uns zu ihnen geführt hat, und so führte der Weg schließlich zur Fähre nach Bari, jenem italienischen Hafen, der gewissermaßen das andere Ufer einer Welt markiert, in der Europa zwar geografisch zusammengehört, sich administrativ aber gelegentlich noch immer aufführt wie eine Ansammlung misstrauischer Kleinstaaten mit besonders ausgeprägtem Kontrollbedürfnis.
Und dort warteten sie.
Die Grenzer.
Männer, deren Auftreten Erinnerungen an jene Zeiten weckte, in denen Konflikte im Wilden Westen bevorzugt durch das demonstrative Tragen möglichst großer Schusswaffen gelöst wurden und ein misstrauischer Blick bereits als vollständige Charakteranalyse galt.
Revolverhelden ohne Pferde.
Cowboys mit Dienstmarke.
Immer scharf.
Zumindest die Waffen.
Ob auch der Verstand, ließ sich bei der Kürze der Begegnung nicht abschließend feststellen.
Es ist schon ein bemerkenswerter Kontrast, wenn man zuvor tagelang durch Landschaften gereist ist, die einem mit jedem Kilometer die Größe und Schönheit dieser Welt vor Augen führen, nur um am Ende von Menschen empfangen zu werden, deren wichtigste Aufgabe offenbar darin besteht, sicherzustellen, dass man sie auch wirklich für wichtig hält.
Da wird kontrolliert, geprüft, geschaut und gelegentlich mit jener Ernsthaftigkeit dreingeblickt, die man sonst nur von Schauspielern kennt, die in einem Western den Bösewicht spielen sollen, aber noch nicht wissen, dass der Film eigentlich eine Komödie ist.
Man fragt sich gelegentlich, ob das ständige Demonstrieren von Macht tatsächlich Sicherheit schafft oder lediglich jenen Eindruck erzeugen soll, der entsteht, wenn jemand besonders viel Druck ausübt.
Da wären wir also wieder.
Beim Unterschied zwischen ein Druck und Eindruck.
Der eine benötigt Uniformen, Waffen, Vorschriften und möglichst ernste Gesichter.
Der andere entsteht ganz von allein, wenn am Abend die Sonne hinter den albanischen Bergen verschwindet.
Und ich weiß ziemlich genau, welcher von beiden länger in Erinnerung bleiben wird.
Bari – und die andere Seite des Horizonts
Als die Fähre schließlich ablegte und sich die Lichter der albanischen Küste langsam entfernten, blieb jener eigenartige Moment zurück, den wohl jeder Reisende kennt, der ein Land verlässt, das ihn nicht nur durch seine Landschaften, sondern auch durch seine Widersprüche berührt hat.
Hinter uns die Berge, das Meer, die kleinen Orte, die Straßen, die Begegnungen, die Stille und der Lärm, das Unvollkommene und das Schöne.
Vor uns Italien.
Bari.
Und vermutlich die nächste Gelegenheit, irgendwo zwischen einer Espressomaschine und einer Verkehrsampel über die erstaunliche Kreativität menschlicher Lebensformen nachzudenken.
Das Meer dazwischen kümmerte sich um all das nicht.
Es trug uns einfach weiter.
Ohne nach unserer politischen Überzeugung zu fragen.
Ohne unsere Ansichten zu überprüfen.
Und ohne uns vorzuschreiben, welche Eindrücke wir von dieser Reise mitnehmen durften.
Vielleicht war genau das der schönste Eindruck von allen.
Dass Freiheit manchmal nichts weiter bedeutet, als unterwegs zu sein und die Welt mit eigenen Augen betrachten zu dürfen.
Von Abdrücken, Ausdrücken und anderen Druckmitteln
Am Ende bleibt von einer Reise erstaunlich wenig Materielles zurück, ein paar Fotos, etwas Sand in den Schuhen, vielleicht ein Strafzettel, dessen Existenz man lieber verdrängen möchte, und jene schwer zu beschreibende Mischung aus Bildern, Gerüchen, Geräuschen und Gefühlen, die sich irgendwo zwischen Erinnerung und Sehnsucht festsetzt und uns noch lange begleitet, nachdem der Alltag mit seinem üblichen Nachdruck versucht hat, die gerade erst gewonnene Leichtigkeit wieder unter einer möglichst dicken Schicht aus Verpflichtungen, Erwartungen und anderen gesellschaftlich anerkannten Druckmitteln zu begraben.
Überhaupt scheint der Druck eine der erfolgreichsten Erfindungen der Menschheit zu sein, denn wir stehen unter Zeitdruck, leiden unter Leistungsdruck, geraten unter Rechtfertigungsdruck, verleihen unseren Forderungen Nachdruck, bringen unsere Meinungen zum Ausdruck und wundern uns anschließend über unseren hohen Blutdruck, während wir gleichzeitig versuchen, mit möglichst wenig Aufwand einen möglichst bleibenden Eindruck zu hinterlassen, was in einer Welt, in der inzwischen jeder zweite Mensch seine eigene Bedeutung mit der Lautstärke seiner Selbstdarstellung verwechselt, zu einer durchaus bemerkenswerten Ansammlung von Abdrücken führt, die allerdings selten besonders tief gehen.
Dabei kann Druck durchaus etwas Schönes hervorbringen, wie jeder weiß, der schon einmal einen guten Espresso getrunken hat, und selbst der Abdruck eines nackten Fußes im feuchten Sand ist schließlich das Ergebnis eines gewissen Drucks, nur dass hier niemand zu etwas gezwungen wird, niemand eine Verordnung benötigt und niemand anschließend eine Pressekonferenz einberuft, um zu erklären, warum dieser Fußabdruck ein historischer Meilenstein auf dem Weg in eine bessere Zukunft sei.
Vielleicht liegt der Unterschied also gar nicht im Druck selbst, sondern darin, wer ihn ausübt, wer ihn empfindet und vor allem, ob am Ende etwas entsteht, das uns niederdrückt oder aufrichtet.

Ein Leerzeichen Freiheit
Und so bleibt von Albanien, seinen gewaltigen Bergen, den tief eingeschnittenen Tälern, den kleinen Buchten, dem unverschämt blauen Meer und jener Überfahrt nach Bari, bei der die letzten Revolverhelden Europas noch einmal eindrucksvoll demonstrierten, dass man auch ohne Pferd einen ziemlich überzeugenden Cowboy abgeben kann, vor allem eine Erkenntnis zurück, die angesichts der allgemeinen Weltlage fast schon verdächtig einfach erscheint.
Manchmal braucht es gar keine Revolution, keine großen Worte, keine neue Weltordnung und schon gar keinen jener selbst ernannten Welterklärer, die uns mit bedeutungsschwerer Miene erzählen, warum wir die Wirklichkeit gefälligst anders wahrzunehmen haben, sondern lediglich die Bereitschaft, den Dingen wieder ihren eigenen Raum zu lassen.
So wie zwischen zwei Worten.
Denn während sich die Menschheit mit erstaunlichem Eifer darum bemüht, die Welt in immer engere gedankliche Schubladen zu pressen, die Sprache nach Bedarf umzudeuten und aus jeder noch so absurden Behauptung durch ausreichend häufige Wiederholung eine allgemein anerkannte Wahrheit zu machen, braucht es manchmal nur eine winzige Veränderung, um aus etwas Bedrückendem etwas Beeindruckendes werden zu lassen.
Ein einziges Leerzeichen.
Mehr nicht.
Und vielleicht ist das die eigentliche Kunst des Reisens: nicht möglichst viele Spuren auf dieser Welt zu hinterlassen, sondern zuzulassen, dass sie ihre Spuren in uns hinterlässt, dass die Berge unsere Maßstäbe zurechtrücken, das Meer unsere Gedanken durcheinanderwirbelt und ein einfacher Fußabdruck im Sand uns mehr über die Vergänglichkeit unserer vermeintlichen Größe erzählt als sämtliche Denkmäler, die sich die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte selbst errichtet hat.
Denn während wir noch darüber nachdenken, welchen Eindruck wir wohl auf die Welt gemacht haben, kommt irgendwann eine Welle und nimmt unseren Fußabdruck mit, völlig unbeeindruckt von unserer Bedeutung, unserem gesellschaftlichen Status, unseren politischen Überzeugungen und all den anderen Dingen, die wir für unverzichtbar halten.
Und plötzlich wird klar, dass nicht wir es waren, die in Albanien einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Sondern Albanien in uns.
Ganz ohne Druck.
Und wer weiß, vielleicht würde sogar George Orwell darüber schmunzeln, dass ausgerechnet ein Leerzeichen etwas möglich macht, wofür die Menschheit offenbar immer kompliziertere Gesetze, immer größere Apparate und immer mehr Kontrolle zu benötigen glaubt.
Ein bisschen Freiheit.
Denn manchmal ist der größte Fortschritt nicht, noch mehr zusammenzurücken.
Sondern einfach etwas Platz zu lassen.
Und sei es nur zwischen zwei Worten.



😍😍👏🏻