On the Road again (Kaludh - Berat)
- Malik (Künstlername)

- Feb 14
- 4 min read
Updated: Feb 15
Nachdem meine Freunde wieder nach Deutschland mussten...ruft die Weite...
Ein Roadtrip,
aber manchmal fühlt es sich an
wie ein Pilgerweg.
Nicht wegen des Ziels,
sondern wegen des Unterwegsseins.
.
Von Kaludh führen Serpentinen nach Süden, hinunter zum Grenzfluss zwischen Albanien und Griechenland.
Mein südlichster Punkt in diesem Land.
Kurz vor dem Fluss öffnet sich eine Ebene.
Ich halte an. Spiele mit Finn. Keine kläffenden Straßenhunde, keine Stimmen.
Nur Ruhe. Ein Moment, in dem Finn, die Natur und alles andere für einen Augenblick eins werden.
Finn mag das Reisen auch, besonders die Pausen und jedesmal wenn die Campertüre sich öffnet ist es wie den Adventskalender zu öffnen.
Wir folgen eine Zeit lang dem Grenzfluss,
fahren parallel zu einer unsichtbaren Linie.
Ein kleiner Grenzübergang taucht auf,
fast verlassen, und doch mit einer seltsamen Schwere. Grenzen wirken auch dann, wenn niemand sie bewacht.
Leskovik.
Die Stadt auf einem der Berge. Majestätische Aussicht.
Die Wolken ziehen mit uns,
bleiben nah, als wollten sie prüfen,
ob wir aufmerksam genug sind.
Danach geht es weiter bergauf. Nur noch sieben Grad. Ein flächendeckender Teppich aus Nadelgehölzen und Moos überzieht die Hänge. Eine Erinnerung an Schweden.
Der Weg wird enger, aber erstaunlich gut ausgebaut. Ein EU-Logo markiert den Anfang – nicht als Dekoration, sondern als Erinnerung daran, dass Hilfe selten ohne Richtung kommt. Leider ein bekanntes Muster: große Worte, sichtbare Projekte,
und am Ende bleibt das Land mit den Folgen allein. Kein Zeichen von Solidarität,
sondern von Kontrolle. Hilfe, die bindet,
und später enttäuscht.
Erseka.
Die Straße verändert sich. Zuerst unbefestigt mit abermals vielen
Schlaglöchern, dann langweilig gerade befestigt, rechts und links Betonwände,kaum Sicht, hart, nicht schön, aber funktional.
Wie viele Abschnitte im Leben und auch in der Mentalität der Albaner.
Korçë.
Relativ groß.
Bei der schnellen Durchfahrt bleibt wenig hängen.
Es wird dunkel.
Hunger.
Einfaches Essen:
Kotelett, Salat, Pommes.
Für Finn ein Kilo Fleisch.
Zwanzig Euro.
Für albanische Verhältnisse teuer.
Vielleicht Abzocke,
vielleicht einfach der Preis dafür,
nicht weiterzusuchen.
Pogradec.
Zwischen See und Stadt lebt man hier draußen und drinnen zugleich. Schlafplatzsuche im Dunkeln. Spaziergänge, Stimmen, Laternen– fast zu viel Nähe nach so viel Weite.
Eine Parallelstraße zur Seepromenade wird der Schlafplatz.
Spaziergänger, Bewegung.
Fast schon Stadtgefühl.
Am Morgen gehe ich mit Finn raus.
Direkter Zugang zum See?
Nicht hier.
Alles privat, verbaut.
Ein Ministerium.
Erst weiter unten öffnet sich der Strand.
Kaum wilde Hunde.
Finn jaulte zweimal an Laternenmasten auf –
vermutlich Strom. absichtlich wegen der vielen Hunde?
Er kam sofort zu mir.
Ein kurzer Schreck,
eine Erinnerung daran,
wach zu bleiben.
Die Fahrt führt am See entlang.
Pogradec wirkt lebendig,
groß,
fast zu voll.
Beim Rausfahren ein Schild:
Achtung Bär kreuzt.
So nah an der Stadt.
Und mit jedem Kilometer wächst in mir ein Unbehagen.
Viele Menschen.
Viel Dreck.
Viel Rücksichtslosigkeit.
Ich merke,
dass ich Weite brauche.
Natur.
Orte, die nichts von mir wollen.
Der Plan: Valamara, ein Gipfel.
Doch die Brücke von der Hauptstraße
wirkt nicht vertrauenserweckend. Meine 3,5 Tonnen sagen "Nein"
Dahinter sieht es noch schlechter aus.
Ich lasse es bleiben.
Auch das gehört zum Pilgern:
nicht jeden Weg zu gehen.
Valamara bleibt in der Ferne.
Der nächste Ort heißt Kuçakë.
Doch zuerst halte ich an.
Sammeln.
Ich sitze irgendwo auf einem Berg. Wunderbarer Rundumblick ich hole meinen Campingstuhl raus setze mich mit einem heißen Kaffee hin und genieße, stundenlang, Finn setzt sich zu mir, genießt die Weite so wie ich, er will garnicht rennen...kurz
Tief unten rauscht ein Fluss.
Ich höre den Flügelschlag eines Vogels,
eine Windböe,
Schafsglocken auf einem Hang,
den bellenden Hütehund,
eine Krähe.
Betonung:
Fantastisch –
diese Ruhe,
diese Weite,
hier ganz oben.
Nach einigen Stunden ziehen wir weiter.
Serpentinen ohne Ende.
Bergauf, bergab.
Die verbleibende Fahrtzeit verändert sich kaum. Gefühl auf der Stelle zu "fahren".
Zehn bis fünfzehn Prozent Steigung,keine Seltenheit.
Steinschlag auf der Straße. Netze die gegen Steinschlag schützen sollen, hängen voll mit Gestein, als würden Schwangere am Steilhang stehen.
Absackungen –
zehn, zwanzig, fünfzig, hundert Meter tief.
Wasser auf dem Asphalt,
kleine Wasserfälle.
Alles möglich hier.
Manchmal sind die Einschläge so massiv,
dass Krater im gepflasterten Asphalt zurückbleiben.
Spuren von Gewicht.
Von Kräften,
die größer sind als man selbst.
Vielleicht ist das der eigentliche Pilgerweg.
Nicht zu Fuß,
nicht religiös,
aber aufmerksam.
Schritt für Schritt –
oder Kurve für Kurve.
Albanien fährt man nicht einfach.
Man fährt es wie einen Weg,
der einen verändert,
wenn man ihn lässt.
Den man liest.
Und nun ein paar Orte, ein Augenblick...
Maliq
Flaches Land, Arbeit in Reihen. Landwirtschaftlich, nüchtern, ein Ort, der nicht verweilt, sondern funktioniert.
Kuçakë
Ein Dorf wie ein Atemzug. Wenige Häuser, wenig Lärm, das Leben reduziert auf das Nötigste. Den Namen kann ich mir gut merken.
Moglicë
Berge schließen sich um den Ort. Wasser, Stausee, Kraftwerk, Infrastruktur – Natur und Technik im stillen Ringen.
Kodovajt
Vorbeifahren fühlt sich an wie Durchblättern. Man sieht es, aber es erzählt nur leise.
Gramsh
Eingeschlossen von Bergen, fast geschützt. Ein Ort, der nicht beeindrucken will, sondern aushält.
Elbasan
Stadt, Verkehr, Industrie. Hier verdichtet sich alles: Menschen, Geschichte, Widersprüche.
Çeric
Ein Dorf am Rand der Aufmerksamkeit. Felder, Höfe, Alltag ohne Kulisse.
Lishnaj
Häuser entlang der Straße, Leben dahinter. Man ahnt mehr, als man sieht.
Mollas
Ruhig, bäuerlich, zeitlos. Hier scheint sich wenig geändert zu haben – vielleicht absichtlich.
Lange vor Berat kippt die Landschaft ein wenig.
Die Ebene öffnet sich,
und mit ihr ein fremdes Glänzen.
Plastik liegt über der Erde wie eine zweite Haut –
billig, gespannt, kurzlebig.
Kein geschlossenes Meer aus Folie wie bei Almería,
doch genug, um zu stören.
Gewächshäuser, hastig errichtet,
als hätte man der Natur misstraut
und ihr vorsorglich den Atem genommen.
Hier wächst nicht Hoffnung unter Plastik,
sondern Notwendigkeit.
Der Boden arbeitet weiter,
aber er tut es verdeckt,
entfremdet von Himmel, Regen und Zeit.
Berat
Steinerne Geschichte trifft moderne Notwendigkeit. In den Ebenen davor breiten sich Plastik-Gewächshäuser aus – nicht schön, aber ernährend. Wie Almería in klein, albanisch, improvisiert.
Berat zeigt, wie Reiche kommen und gehen, ohne aufzuräumen.
Jede Mauer erzählt von Kontrolle, Verteidigung, Glauben – und vom Scheitern der Dauer.
Unten die Stadt, oben das Mahnmal: nichts bleibt, auch Macht nicht.





















































































































































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