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Die Suche

  • Writer: Malik (Künstlername)
    Malik (Künstlername)
  • Feb 8
  • 3 min read

Updated: Feb 15

Die Häusersuche in Albanien beginnt nicht mit Bildern. Keine Portale, keine Hochglanzversprechen, kaum Anzeigen. Sie beginnt auf der Straße, im Gespräch, im Weitererzählen. Ein Name, ein Hinweis, ein „Vielleicht dort drüben“. Mundpropaganda ersetzt den Markt.


Und diese Suche fühlt sich nach mehr an als nur die nach vier Wänden. Neben dem "Wo" gibt es so viele Fragen: Warum schon wieder umziehen? Was möchte ich? Was ist ausreichend? Womit bin ich zufrieden? Was möchte ich auf keinen Fall? Kann das klappen? Ausbaubar? Neustart? Chance oder Risiko? Flucht oder Abenteuer?


Denn ein Haus zu finden ist schwer –

ein Zuhause noch schwerer.

Und die Suche nach sich selbst ist es erst recht.

Man sucht nach einem Ort,

an dem man bleiben darf,

ohne sich ständig erklären zu müssen.

Nach etwas, das sich richtig anfühlt,

nicht perfekt, nur stimmig. Ja auch der Chance dem unverständlichen und gefährlichen Weltgeschehen zu entgehen.


Das Erkennen, ob es denn DAS ist, ist aufgrund des Neuen oftmals erst nur ein kleines Puzzlestück und nur die Zeit weiß, ob es in das eigene Puzzle passt.


Vielleicht geht es weniger um Besitz

als um Zufriedenheit.

Weniger um Zukunftspläne

als um das Ankommen im Moment.

Und irgendwo zwischen all dem

liegt die leise Hoffnung,

dass Glück kein Ziel ist,

sondern ein Zustand,

den man erkennt,

wenn man aufhört, weiterzusuchen.


Die Häuser selbst erzählen eben von Einfachheit. Meist nicht gebaut, um zu gefallen, sondern um zu funktionieren. Armut und politische Systeme haben ihre Spuren hinterlassen – sichtbar in unfertigen Wänden, provisorischen Lösungen, in dem, was fehlt. Es gab wenig Geld, wenig Sicherheit, lange Zeit kaum Perspektive. Genehmigungen waren unklar oder bedeutungslos, Vorschriften schwach oder abwesend. Man baute, wenn es möglich war, und ließ offen, was später kommen sollte.


Ritzen und Spalten durchziehen so manche Räume, Feuchtigkeit sammelt sich in den Ecken. Kalte Kachelböden, im Sommer wohltuend, im Winter eine Prüfung. Ein Kamin steht oft im Zentrum – wenn er funktioniert, wird es warm und fast gemütlich, wenn nicht, bleibt nur Geduld.


Manche Häuser hören nach oben einfach auf. Flachdächer als Platzhalter für ein weiteres Stockwerk, für eine Zukunft, die verschoben wurde. Auch Grundstücksgrenzen sind nicht immer eindeutig, manchmal eher Erinnerung als Vermessung.


Die Auswahl an Häusern ist begrenzt, weniger "Perlen", meist eher die Qualität fragil. Und doch tragen diese Häuser keine Scham. Sie sind Zeugnisse eines anderen Umgangs mit Leben und Raum. Nicht geplant, sondern gewachsen.


Hinzu kommt ein leiser Erwartungsdruck:

Manch ein Albaner sieht im „reichen“ Europäer eine Chance. Etwas zu verkaufen – egal was. Ein Haus, ein halbes Haus, ein Versprechen. Nicht aus Berechnung, sondern aus Hoffnung. Aus dem Wunsch heraus, endlich einmal auf der Seite zu stehen, auf der Möglichkeiten beginnen, auch welche, welche wir als vollkommen normal erachten.


Gleichzeitig beginnen andere Mächte das Land zu überrollen. Investoren haben Albanien entdeckt. An der Küste boomt der Immobilienbau. Doch beim gewöhnlichen Albaner kommt vom Wachstum wenig an. Das Geld fließt, wie so oft, in die falschen Hände. Wie immer - große Systeme – egal welcher Art – lassen den Einzelnen meist zurück. Die Großen fressen die Kleinen, werden reicher, während andere bleiben, wo sie sind. Am Ende besitzt ein kleiner Kreis alles, und die Masse fast nichts.


Und doch noch ist nicht entschieden,

wohin dieses Land wirklich geht...


Albanien


Vergangenheit und Gegenwart liegen nebeneinander,

Notwendigkeit und Begehrlichkeit,

das Gewachsene und das Geplante.

Noch ist nicht entschieden, wohin das Land geht,

und vielleicht liegt darin seine Kraft:

in der Offenheit, im Zwischenraum,

im Leben, das sich seinen eigenen Regeln fügt.

Man kann nur beobachten, spüren, staunen –

und manchmal erkennen, dass ein Land

wie ein Haus ist, das noch gebaut wird.

Nicht fertig, nicht perfekt,

aber voller Möglichkeiten.



 
 
 

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