Albanien, erstes Festhalten von Eindrücken, noch ohne Bewertung
- Malik (Künstlername)

- Jan 26
- 3 min read

Etappe Barbulojë Albanien bis Kalut, bei Permet, Tagesdosis 5 h 300 km.
Temperatur / Wetter: +8- +17 Grad, bedeckt - leicht bewölkt.
Gesamt: 4150 km, Fahrtzeit 52 h. Rest: 4,5 h 280 km. Und der erste Tag.
Nächste Etappe: Albanien, von Nord nach Süd. Eindrücke sammeln, noch nicht endgültig bewerten. Es hängt ja auch einiges davon ab....Neuanfang, Wechsel?
Schon an der Grenze ein Moment, der hängen bleibt: der einzige Grenzer, der lächelt und „Willkommen“ sagt. Ein kleines Wort, das größer ist als der Übergang selbst.
Das Land selbst zeigt sichzunächst widersprüchlich. Teils erschreckend viel Müll liegt achtlos an vielen Stellen, wo sich Menschen aufhalten rum, Ruinen stehen neben neuem Luxus, Vergangenheit und Gegenwart ohne Abstand. Auf der Schnellstraße mit 90 km/h tauchen urplötzlich Radfahrer und Fußgänger auf, als gehörten sie selbstverständlich dazu. Schlaglöcher prägen den Weg, werden nach Süden hin weniger. Aber dann dazwischen Autobahnen wie aus dem Bilderbuch. Beschilderungen wirken oft rätselhaft, Regeln eher als Vorschläge gelesen. Kaum jemand hält sich an Geschwindigkeiten, dafür viele Polizeikontrollen – bestimmt zehn auf dieser Etappe.
Zwischen all dem eine überraschende Wärme. Menschen sind herzlich, hilfsbereit, offen. Daneben junge rasende Mercedesfahrer, laut, spuckend, präsent. Abends fast nur Männer auf den Straßen, keine Kopftücher, ein eigenes Bild von Öffentlichkeit. Die Verständigung holpert, Worte fehlen, Gesten übernehmen.
Viele Straßenhunde und Hofhunde. Viele. Finn beobachtet sie aufmerksam, überrascht, neugierig, respektvoll. Kein Jagen, eher ein stilles Erkennen.
Weiter oben in den Bergen wird alles einfacher. Einfachheit als Geschenk. Ursprünglicher. Tiere sind Nutztiere, Teil des Alltags: kleine Schafsherden, eine einzelne Kuh, ein Esel am Wegesrand. Niemand hat viel. Und genau das ist sichtbar.
Ich falle auf. Groß, blond, ein großer schwarzer Hund an meiner Seite. Blicke bleiben hängen, neugierig und interessiert, nicht feindlich.
Und dann diese Landschaft. Unbeschreiblich. Alleine dafür lohnt es sich. Berge von einer Dimension, die Sprache überfordert. Gipfel noch schneebedeckt, darunter kristallklare, türkisfarbene Flüsse. 17 Grad – Frühling mitten im Winter. Für den "Schweden" fast schon ein Sommertag.
Am Ende Ankommen. Bei Freunden. Herzlich, warm, selbstverständlich. Danke dafür!
Gedanken zu den Eindrücken, und nochmal, auch um Festzuhalten, nicht zur endgültigen Bewertung.
Ein Tag voller Gegensätze – und genau darin liegt der erste Eindruck von Albanien. Schönheit neben Müll. Auf meinem Lebensweg begegne ich ihnen immer wieder: den Gegensätzen. Sie tauchen auf wie eine Welle, gehen hoch und runter, tragen und ziehen zugleich. Vielleicht ist das normal. Vielleicht ist genau das Leben.
Und doch sind es nicht die ruhigen Bewegungen, die leichten Wellen, die irritieren, sondern die Ausreißer. Diese zu erkennen und (mit-) zu leben, habe ich oft erfahren. Dort, wo die Welle extrem ausschlägt, wird etwas sichtbar, das sich nicht mehr erklären lässt. Ungleichgewicht. Warum gibt es das Megareiche neben dem Superarmen? Warum Massen an Müll neben der unbeschreiblichen Schönheit? Warum scheint Ausgleich kein Ziel, sondern eine Ausnahme zu sein?
Diese Fragen bleiben stehen, unbeantwortet. Noch.
Aber eine Erfahrung drängt sich leise dazwischen: Wer schenkt, erfährt Glück. Nicht als Lösung für alles, sondern als Moment. Als kleines Gegengewicht in einer Welt, die oft aus dem Takt geraten ist. Man schenkt Ausgleich, Respekt, Herzlichkeit, Achtsamkeit oder auch ein Essen, ein Getränk, eine Geste, ein Lächeln... . Das kann Wunder bewirken.
Ich denke, das einfache Leben, das Leben im Kleinen, ist richtig. Dort bleibt der Mensch sichtbar, nicht als Zahl, nicht als Funktion. Die Welt jedoch scheint einen anderen Weg zu gehen – größer, schneller, maßloser. Ein Weg, auf dem vieles überrollt wird und viele unter die Räder kommen, oft lautlos. Welt- Industrie produziert Müll anstatt Achtsamkeit... .
Je größer die Systeme werden, desto schwieriger wird der Ausgleich. Verantwortung verteilt sich, bis sie sich auflöst. Nähe geht verloren, Maß ebenso. Im Kleinen dagegen bleibt Raum für Beziehung, für Aufmerksamkeit, für Geben. Vielleicht ist es kein Rückschritt, sondern ein stiller Gegenentwurf: nicht mehr zu wollen, sondern genug.
Wenn man sieht, was auf der Welt passiert, stellt sich die Frage: Ist dieses Zurücktreten ein Aus-dem-Weg-Gehen, um nicht vom Strom überrollt zu werden? Eine Suche nach Ruhe und Einfachheit? Oder ein stilles Warten, bis etwas vorbeigezogen ist? Vielleicht ist es von allem ein wenig – und vielleicht liegt genau darin eine Form von Klarheit.
OOh, das war jetzt aber doch ein wenig sehr in die Tiefe :-)
Ich erkunde weiter und freue mich auf kommende Erfahrungen.
Hier noch Bilder...
























































Comments